Kultur des Skibergsteigens

Es gibt unterschiedliche Kulturen des Skibergsteigens. Häufiger in den Ost- als in den Westalpen begegnen einem Leute am Start einer Tour, die, kaum sind sie aus ihren Autos ausgestiegen, sofort losrennen, ohne sich umzuschauen, ob der Rest mitkommt. Dementsprechend sieht dann das Bild aus, das sie im Hang abgeben: Unzusammenhängende Einzelne, verstreut im Aufstieg, die scheints nur im Sinn haben, so schnell wie möglich auf den Gipfel zu kommen. Die einen machen mal eine Pause, die anderen nicht. Oben angekommen, wird´s den ersten schon kalt, während die letzten noch einige Höhenmeter vor sich haben. Und so lassen sie´s schon mal bergab krachen, mit "Juche" an den aufsteigenden KollegInnen vorbei, man/frau sieht sich ja unten.

Demgegenüber sind unsere Verhaltensweisen auf Skitour:

  • Wir gehen eingestimmt und gleichzeitig los (eigentlich eine Selbstverständlichkeit).
  • Das Tempo wird so gewählt, dass für die konditionsschwächste Person in der Gruppe noch eine Kraftreserve bleibt.
  • Wir passen die Spur an die Geländeformen an, (also nicht direttissima) und schauen, dass ein gleichbleibender Steigwinkel gewahrt wird, um maximal ökonomisch zu gehen.
  • Wir legen Pausen ein, die nicht als Zeitverschwendung betrachtet werden, sondern als manchmal bester Moment einer Tour.
  • Wir versuchen die Tour so einzuteilen, dass Trinkpausen, Umziehpausen, Verschnaufpausen zusammen - und nicht jeweils einzeln - eingelegt werden können.
  • Wir sind organisiert unterwegs. Je nach Gelände, Steilheit und Lawinengefahr bilden wir kleinere Einheiten und wenden diverse Methoden an.
  • Wir bleiben während der Tour zusammen, wir gehen als geschlossene Formation - ohne uns dabei auf den Skienden zu stehen.
  • Wir gehen die Ziele gemeinsam am Vorabend durch und entscheiden uns, wenn alle die Planung gutheißen.

Genießen statt Leistungsstreß

Wir versuchen, unsere Touren so zu gestalten, dass wir genießen können (und manchmal kommen dann diese seltenen Glücksgefühle auf). Um aber genießen zu können, dürfen wir nicht in Streß kommen und das hat viel mit der Gruppenatmosphäre zu tun. Diese ist gut, wenn sich alle wohl fühlen. Eine große Rollen spielen dabei die Beziehungen der TeilnehmerInnen untereinander, aber auch die Werte, die in einer Gruppe dominant sind. Genießen TeilnehmerInnen mit starker Kondition ein höheres Ansehen in der Gruppe oder hat das keinen hohen Stellenwert? Werden soziale Kompetenzen wie Umsicht und das Vermögen, mich wie andere gleichermaßen wahrzunehmen, wert geschätzt oder zählen individuelle Verhaltensstrategien gemäß der Maxime: jeder hat sich fit zu machen und für sich selbst zu sorgen? Akzeptiert die Gruppe, wenn ein Mitglied mal einen schlechten Tag hat und deswegen womöglich auf den Gipfel verzichtet werden muss, oder schiebt sie dann Frust und der Einzelne bekommt ihren Unmut zu spüren? Kann Angst und Unwohlsein in der Gruppe ausgedrückt werden oder sendet die Gruppe das Signal, dass das unerwünscht ist oder man/frau schlecht angesehen wäre?
Je nachdem, wie die Antworten ausfallen, werden Stressfaktoren, die im Wertekanon der Gruppe ihren Ursprung haben, begünstigt oder gemindert und die Voraussetzungen, dass alle entspannt auf Tour sind, unterminiert oder gefördert.
Genießen bedeutet, im Augenblick zu sein. Nicht mehr gedanklich am Alltag daheim zu hängen, sondern mit allen Sinnen und Freuden, die umliegende Bergwelt in sich aufzunehmen; innerlich bereit zu sein, sich nur auf das, was jetzt kommt einzulassen. Damit zusammenhängend bedeutet genießen auch: sich Zeit zu nehmen. Wir tun dies: Wir sind mehrere Tage am Stück unterwegs (nicht: Tagessprint- oder Kurztrippmässig); wir planen am letzten Tag Zeit für den Ausklang ein (nicht: sofort nach der Tour die Heimreise antreten); wir genehmigen uns individuell auch mal einen Pausentag (nicht: die Zeit so „effektiv“ wie möglich nutzen).